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Zürich 2
24.11.2022
24.11.2022 07:02 Uhr

Gastro-Perle geht in die grosse Pause

Das Restaurant Belvoirpark hat am kommenden 22. Dezember seinen Letzten. Wann es unter neuer Führung in neuem Glanz erstrahlen wird, ist noch nicht klar.
Das Restaurant Belvoirpark hat am kommenden 22. Dezember seinen Letzten. Wann es unter neuer Führung in neuem Glanz erstrahlen wird, ist noch nicht klar. Bild: Lisa Maire
Das Traditionsrestaurant Belvoirpark in der Enge schliesst vor Weihnachten seine Türen. Der Entscheid der Betreiberin Belvoirpark AG löst Fragen zur Zukunft der Liegenschaft aus, die sich im Besitz der Stadt befindet. Und er bringt Stammgäste wie die Zunft Wollishofen in die Bredouille.

Lisa Maire

Die Schliessung des Restaurants Belvoirpark sei unausweichlich geworden, teilte die Betreiberin, die Gastrosuisse-Tochter Belvoirpark AG, letzte Woche mit (siehe auch Artikel vom 16. Nov). Die Villa, wo seit vielen Jahren Studierende der Hotelfachfachschule Zürich ihre Praktika absolvieren, sei «stark baufällig», die Infrastruktur nicht mehr zeitgemäss. Das Restaurant könne nicht mehr länger rentabel betrieben werden. Schon die beiden Corona-Jahre hätten wirtschaftliche Spuren hinterlassen.

Sozialplan erstellt

Noch Mitte Oktober hatte die Betreiberin allerdings verkündet, das Restaurant würde «spätestens Ende 2024 vorüber­gehend» geschlossen. Dass dem Traditionsbetrieb nun definitiv und schon Ende 2022 der Stecker gezogen wird, hat nicht zuletzt personaltaktische Gründe. «Wir mussten kommunizieren, dass der Mietvertrag mit der Stadt Ende 2024 ausläuft», sagt Fred Heinzelmann, Delegierter Belvoirpark AG, auf Anfrage. Die Mitarbeitenden hätten aber kaum alle so lange gewartet, um sich eine neue Stelle zu suchen. Heinzelmann: «Wir hätten riskiert, den nötigen Personalbestand nicht aufrechterhalten zu können.»

Für die 45 Mitarbeitenden – darunter etliche, die ihre eigene praktische Aus­bildung im Belvoirpark absolviert haben – wurde ein Sozialplan erstellt. Der Betreiberin zufolge haben aber viele von ihnen bereits eine Anschlusslösung gefunden. Auch die Praktikumsplätze für die Studierenden der Hotelfachfachschule Zürich scheinen gesichert. «Es gibt genügend Restaurants in Zürich und anderswo, wo unsere Studierenden hochwillkommen sind», so Heinzelmann.

Die Zunft Wollishofen verliert ihre langjährige Heimat

Die Schliessung des Restaurants Belvoir­park dürfte bei vielen Gästen, die sein einmaliges Ambiente, die Top-Küche und den hoch motivierten Service schätzen, Bedauern auslösen. Für Stammgäste wie die Zunft Wollishofen und weitere Vereine oder Clubs ist die kurzfristig kommunizierte Schliessung aber auch ärgerlich. Sie sehen sich gezwungen, für ihre Treffen und Veranstaltungen schnell eine Alternative zu finden.

«Wir waren vorbereitet auf eine vorübergehende Schliessung für die Zeit der Sanierung», sagt der Wollishofer Zunftmeister Hansruedi Strasser. «Dass die Hotelfachschule sich nun definitiv und so schnell zurückzieht, überrascht uns sehr. Eigentlich wollten wir nächstes Jahr noch 40 Jahre Zunft im Belvoirpark feiern.»

Die Suche nach einem Zunftstube-tauglichen Ersatzlokal wird nicht einfach werden. Denn an grossen Anlässen wie Sechseläuten und Martinimahl wollen bis zu 150 Personen bewirtet sein. «Unsere Abklärungen laufen auf Hochtouren», so Strasser. (mai.)

Wie geht’s nun weiter mit der fast 200 Jahre alten Villa, einst Gutssitz der Zürcher Familie Escher, seit 1901 im Besitz der Stadt und 1925 vom damaligen Wirteverband zur Wirtefachschule mit Restaurant umgebaut? Laut der Betreiberin ist die Nutzung bis zum Ende des Mietvertrags noch offen. Man prüfe diverse Möglichkeiten. Spekuliert wird dabei auch, dass die Stadt ihre Bauvorhaben für die Liegenschaft schon vor Ende 2024 starten könnte.

Die Villa bleibt Restaurant

Bei der Stadt will man sich aber zeitlich noch nicht festlegen. Angesichts der neuen Ausgangslage stosse man nun die Planung an, damit die Bauvorhaben «so bald wie möglich» umgesetzt werden könnten, teilt Liegenschaften Stadt Zürich auf Anfrage mit.

Geplant ist einerseits eine Gesamt­instandsetzung der denkmalgeschützten Villa, andererseits muss die Umgebung gemäss rechtskräftigem Gestaltungsplan erneuert werden. Entgegen anderslautender Gerüchte hält Liegenschaften Stadt Zürich zudem fest: «Die Restaurantnutzung soll beibehalten werden. Wir sind zuversichtlich, dass sich passende Restaurantbetreiber für das einmalige Objekt interessieren werden.»

Lisa Maire