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Sport Regional
23.11.2022
23.11.2022 13:01 Uhr

«Wir können jede Mannschaft schlagen»

Der 140-fache isländische Nationalspieler Ólafur Guðmundsson (32) bringt viel internationale Erfahrung in die junge Hoppers-Mannschaft. 
Der 140-fache isländische Nationalspieler Ólafur Guðmundsson (32) bringt viel internationale Erfahrung in die junge Hoppers-Mannschaft.  Bild: zvg
Ólafur Guðmundsson (32) war der Königstransfer von GC Amicitia Zürich in der Sommerpause. Vor dem Heimspiel gegen Schweizer Meister Kadetten Schaffhausen vom kommenden Samstag (18 Uhr, Saalsporthalle) trafen wir den isländischen Nationalspieler zum Gespräch.

Interview: Elad Ben-Am

Ólafur Guðmundsson, Sie sind 140-facher isländischer Nationalspieler, haben bei grossen Vereinen und in der Champions League gespielt. Weshalb hat es Sie nach Zürich verschlagen?

Nach meinem Vertragsende bei Montpellier wollte ich zu einem Verein wechseln, bei dem ich auf einem hohen Level Handball spielen und gleichzeitig an einem Ort leben kann, an dem sich meine Familie wohlfühlt. Das Projekt bei GC Amicitia Zürich bot mir diesbezüglich das ideale Package, weshalb mir die Entscheidung nicht allzu schwerfiel. Entsprechend habe ich auch für vier Jahre unterschrieben.

Sie sind jetzt knapp ein halbes Jahr in ­Zürich. Was sind Ihre Eindrücke vom Schweizer Handball?

Handballerisch war der Wechsel schon eine Umgewöhnung für mich. Der Schweizer Handball erinnert stark an den deutschen Stil, mit grossen und kräftigen Spielern. Die skandinavischen Ligen, in denen ich lange gespielt habe, sind eher geprägt von kleineren, wendigeren Akteuren. Entsprechend ist das Spiel dort weniger physisch, dafür etwas schneller.

Sie hatten eine schwierige Zeit beim französischen Spitzenteam Montpellier mit wenig Spielpraxis. Zudem verletzten Sie sich in der Vorbereitung. Wie schätzen Sie Ihr aktuelles Leistungsvermögen ein?

In Montpellier wurde ich durch einige Verletzungen zurückgeworfen, weshalb ich vor allem zu Beginn der Saison Geduld aufbringen musste. Ich muss gut auf meinen Körper hören und die Belastung intelligent steuern. Meine Erfahrung, aber auch die Unterstützung von Trainer, Mannschaft und Verein helfen mir dabei enorm. Es geht in die richtige Richtung, aber ich habe noch Luft nach oben.

Die nächsten Heimspiele in der Saalsporthalle

GC Amicitia Zürich – Kadetten Schaffhausen (Samstag, 26.11., 18 Uhr)

GC Amicitia Zürich – Wacker Thun (Mittwoch, 30.11., 19 Uhr)

GC Amicitia Zürich – HSC Suhr Aa­rau (Mittwoch, 14.12., 19.30 Uhr)

GC Amicitia Zürich – HSC Kreuzlingen (Samstag, 17.12., 18 Uhr)

Wie definieren Sie Ihre Rolle in der Mannschaft?

Wir haben bei GC Amicitia einige sehr talentierte junge Spieler, die bereits wichtige Rollen in der Mannschaft erfüllen und Verantwortung übernehmen müssen. Sie haben natürlich noch Schwankungen in ihren Leistungen, was ganz normal ist. Wir erfahrenen Spieler versuchen, sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen, sodass diese Schwankungen kleiner werden.

Sie haben jetzt mit GC Amicitia gegen jeden Gegner mindestens einmal gespielt und liegen nach der Hälfte der Hauptrunde auf dem guten vierten Tabellenplatz. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Wir haben diese Saison bereits bewiesen, dass wir jede Mannschaft schlagen können. Wir mussten aber auch erkennen, dass wir gegen jedes Team verlieren können, wenn wir nicht unseren besten Handball spielen. Wir haben viel Qualität im Team, müssen aber noch stabiler werden und die angesprochenen Leistungsschwankungen glätten. Wir sind auf einem guten Weg. Das Ziel ist es, unser höchstes handballerisches und mentales Niveau zu erreichen, wenn die Playoffs beginnen.

Im Zusammenhang mit dem Überraschungserfolg der vergangenen Saison war oft von der bemerkenswerten Mentalität der Hoppers die Rede. Wie nehmen Sie diese wahr?

Wir haben einen tollen Spirit in der Mannschaft, was es mir sehr einfach machte, hier anzukommen. Gerade wir ­Isländer sind sehr oft der Underdog und müssen das mit dem Teamspirit kompensieren. Entsprechend bin ich mir der Bedeutung des Zusammenhalts sehr bewusst. Im Handball gewinnt oft nicht die talentiertere Mannschaft, sondern die­jenige mit dem grösseren Willen und Zusammenhalt. Diese Qualität kann auch diese Saison noch sehr wertvoll werden für uns.

Interview: Elad Ben-Am