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Stadt Zürich
22.11.2022
22.11.2022 16:26 Uhr

20 Jahre behütetes «Pfuuse»

Pfarrer Sieber in den Kojen des Pfuusbusses.
Pfarrer Sieber in den Kojen des Pfuusbusses. Bild: zvg
Pfarrer Siebers Pfuusbus feiert Jubiläum. Kurze Geschichte einer legendären Sozialeinrichtung.

«Mis Dach isch dä Himmel vo Züri», stand auf den gelben Ballons, die viele nach Pfarrer Siebers Tod am 19. Mai 2018 an eine Gedenkfeier auf dem Platzspitz mitbrachten. Das war als Dank an den grossen Wohltäter der Obdachlosen, Drogenabhängigen und Aidskranken gedacht, auch wenn die Clochardromantik in Werner Wollenbergers berühmtem Lied aus dem Musical «Eusi chlii Stadt» (1959), gesungen von Zarli Carigiet, doch ziemlich verharmlosend wirkt. Da ist der «Pfuusbus-Blues», den Siebers Wegbegleiter ­Etienne Conod an der Feier vortrug, doch etwas authentischer.

Eine alternative Notschlafstelle

Im November 2002 eröffneten Ernst Sieber und seine Mitstreiter eine Notschlafstelle, die als Alternative zu anderen Angeboten in der Stadt konzipiert war. Keiner der «Gäste», wie die Obdachlosen genannt wurden, musste die Bedingung erfüllen, in Zürich angemeldet zu sein. Ihnen standen zwölf Schlafplätze in einem umfunktionierten Sattelschlepper zur Verfügung. Dieser hatte als Reise­unterkunft der Gebrüder Güdel, Vize­weltmeister im Seitenwagenrennen 1997, Sportgeschichte geschrieben. Von nun an würde er Sozialgeschichte schreiben … 

Pfarrer Sieber vor dem Gründungs-Pfuusbus von 2002. Bild: zvg

Verdreifachung des Angebots

Stationiert war der Pfuusbus, wie heute noch, auf einem Kiesplatz gegenüber dem Strassenverkehrsamt im Albisgütli. Heute sind zwei Zelte als Schlaf- und als Aufenthaltsraum angedockt. Von anfänglich 12 Schlafplätzen ist das Angebot auf 36 gewachsen. Im Schnitt wird der Pfuusbus von 27 Personen pro Tag genützt, die Auslastung beträgt also 75 Prozent. In der vergangenen Saison – der «Bus» ist jeweils von Mitte November bis Mitte April von 19 bis 9 Uhr ge­öffnet – waren das insgesamt über 4000 Übernachtungen von über 200 unterschiedlichen Gästen. Zur Übernachtung gehören auch Abendessen und Zmorge. Gekocht wird mit überschüssigen Lebensmitteln, die vom Gross- und vom Detailhandel gespendet werden.

Neuer Sattelschlepper mit Zelten und Pelletheizung: Der Pfuusbus 2019. Bild: zvg

Wieder Teil der Gesellschaft

Kürzlich hat nun die 21. Saison begonnen. Der Start wurde mit einem kleinen Fest gefeiert, und es wurde Ausblick gehalten. Wie Walter von Arburg, Mediensprecher des Sozialwerks, erklärt, sei es das Ziel, Pfarrer Siebers Hauptanliegen auch weiterhin zu leben: «Im Pfuusbus sollen Obdachlose nicht nur ein Dach über dem Kopf und warme Mahlzeiten bekommen, sondern hier sollen sie Gemeinschaft finden und sich so wieder als Teil der Gesellschaft verstehen.»

Pfarrer Siebers Weihnachtsbesuch im Pfuusbus. Bild: zvg
Tobias Hoffmann