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Freizeit
16.11.2022
16.11.2022 07:56 Uhr

Wie ein Strickkreis Obdachlosen eine Freude macht

Die «Zehner-Bande», die sich jeden Nachmittag zum Stricken trifft. Mit dabei sind auch zwei Männer. Gebrauchen können sie stets Wollen-Nachschub und frische Stricknadeln.
Die «Zehner-Bande», die sich jeden Nachmittag zum Stricken trifft. Mit dabei sind auch zwei Männer. Gebrauchen können sie stets Wollen-Nachschub und frische Stricknadeln. Bild: Béatrice Christen
Im Alters- und Pflegeheim Grünhalde in Seebach werden wärmende Decken zugunsten von gemeinnützigen Institutionen gestrickt. Aktuell ist es die franziskanische Gassenarbeit für Obdachlose. Jedes Stück ist ein hübsches Unikat.

Gabriela Ess ist 86 Jahre alt und lebt seit zwei Jahren im Alters- und Pflegeheim Grünhalde in Seebach. Gemeinsam mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern werden bunte viereckige kleine Stücke gestrickt, welche anschliessend zu einer grossen Decke zusammen gefügt werden. Gestrickt wird übrigens jeden Nachmittag und zwar an sieben Tagen in der Woche.

Stricken entspannt

Gabriela Ess erzählt, dass das gemeinsame Stricken den sozialen Kontakt im Altersheim fördere. Sie betont aber auch, dass gute Gedanken in die Strickarbeiten einfliessen würden und die Strickenden Wärme vermitteln wollen mit ihren Arbeiten. Sie weist auf eine der fertig gestrickten Decken hin und sagt: «Wir stricken jeweils für eine wohltätige Institution. Dies ist eine der Decken, welche in den nächsten Tagen der franziskanischen Gassenarbeit zu gut kommt. Dieser gemeinnützige Verein setzt sich ein für Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Er unterstützt einsame, obdachlose Menschen, die von anderen Hilfsangeboten kaum erreicht werden, insbesondere für diejenigen welche auf der Gasse anzutreffen sind. Der Grünhalden-Strickkreis umfasst zehn Personen, unter ihnen auch zwei Männer. Beide hatten bereits früher gestrickt und sind begeistert von der Strickidee im Altersheim. Einer von ihnen ist so motiviert, dass er – auch ausserhalb der Stricknachmittage – strickt und seine «Lismete» mit ins Zimmer hinauf nimmt. Doch die Tätigkeit des Strickens hat offenbar auch Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden. Einer Studie des Mediziners Dr. Herbert Benson von der Harvard Medical School zufolge kann das Stricken ähnliche Entspannungszustände hervorrufen wie Yoga oder Meditation. Begründet ist dies in der gleichmässigen, sich wiederholenden Bewegung der Finger und der Konzentration auf die Handarbeit. Übrigens: Die Strickfreudigen in der Grünhalde würden sich über Spenden von Wolle und Nadeln freuen, damit sie noch ganz lange für frierende Mitmenschen weiter stricken können. Telefon an Frau Ess genügt (Zentrale: 043 336 00 20).

Béatrice Christen