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Kultur
23.11.2022
23.11.2022 09:23 Uhr

Mad Heidi – die Kinofilm-Innovation aus der Schweiz

Sie spielt im neuen Schweizer Horrorstreifen «Mad Heidi» die Hauptrolle: die Schauspielerin Alice Lucy.
Sie spielt im neuen Schweizer Horrorstreifen «Mad Heidi» die Hauptrolle: die Schauspielerin Alice Lucy. Bild: © Swissploitation Films / madheidi.com
Horrorfilme sind weltweit beliebt. Nur die Schweiz vernachlässigt das Genre sehr. Der Film «Mad Heidi» ändert das. Pünktlich zum Kinostart haben wir mit dem Zürcher Produzenten Valentin Greutert über die Produktion des Horrorstreifens gesprochen.

Aktuell erobert eine etwas andere Version von «Heidi» die Fantasyfestivals auf der halben Welt und der derbe Spass «Mad Heidi» hat schon Preise gewonnen. Der Film wurde mit Leidenschaft und cleveren Ansätzen in der Schweiz produziert. Mit dem Label Swissploitation hat er gleich ein Subgenre definiert. «Heidi sollte erst nur eine Nebenfigur sein», erklärt Valentin Greutert, der mit seiner Produktionsfirma A Film Company GmbH, mit Sitz an der Zürcher Langstrasse, massgeblich am Schweizer Genrefilm beteiligt war.

Exploitation funktioniert über Klischees und Überspitzungen. Da ist die Schweiz mit ihren vielen Klischees prädestiniert. «Dass Heidi die Hauptfigur sein muss, war eine Bedingung für die Zusammenarbeit, für das Ja zum Experiment», sagt Greutert und lacht, schliesslich ist Heidi das ultimative Schweizer Klischee. Die Regisseure Johannes Hartmann und Sandro Klopfstein spielten über zehn Jahre mit der Idee eines genrespezi­fischen Films, den man sonst nirgends sieht. Darüber, dass Heidi als starke Marke in den Fokus soll, war man sich rasch
einig. Das Label Swissploitation war
geboren.

Mit internationalem Cast am Start

Film ist immer Teamarbeit. «Das Regie-Duo besitzt eine wahnsinnige Stilsicherheit», betont Greutert, «auf der anderen Seite kann ich mit über zwanzig Jahren Berufserfahrung viel punkto Dramaturgie besteuern.» So haben vier Personen am Drehbuch geschrieben, für die Kampfszenen wurden Profis aus Deutschland engagiert. «Wir haben schon in der Drehbuchentwicklung darauf geachtet, was möglich ist. Exploitation muss aber nicht perfekt sein. Ich bin recht stolz, dass wir keinen Kahlschlag ansetzen mussten.» Der Plan, ohne klassische Filmförderung zu produzieren, war ambitioniert. «Wir haben im Film viele Dinge gemacht, die man in der Schweiz kaum kennt, insofern war es produktionell gesehen eine grosse Herausforderung», sagt Greutert.

Der Cast sollte international sein, weil diese Art Film meist über den internationalen Markt vermarktbar ist. Alice Lucy (Heidi) ist Engländerin und besitzt den zweiten schwarzen Dan-Gurt in Taekwondo. Das war ein Faktor bei der Entscheidung, ihr die Hauptrolle zu geben. «Es war relevant, ob jemand Kampferfahrung hat. Bei der knappen Vorbereitung, die wir hatten, war ein grosser Vorteil, dass Alice Lucy wusste, wie sich ein Kampf anfühlt. Natürlich war wichtiger, dass sie ein gutes Heidi ist, aber Alice hat das gesamte Paket.»

Mit David Schofield, der in «Gladiator» zu sehen war, oder «Starship Troopers»-Ikone Casper Van Dien konnten bekannte Namen gewonnen werden. «Mit Casper zu drehen, war ein Bubentraum und hat den Blick auf den Film geöffnet», erzählt Valentin Greutert und in seinen Worten schwingt die Leidenschaft für Film mit. Neben den internationalen Stars sind einige bekannte Schweizer Namen im Cast. Etwa Charakterdarsteller Max Rüdlinger («Mein Name ist Eugen»). 

Filmfans als Kleininvestoren

Rasch war klar, dass der Film ein anständiges Budget benötigen würde, das mit Crowdfunding alleine niemals zustande gekommen wäre. Mit der Londoner Firma Filmchain wurde eine Crowd-Investing- Lösung entwickelt, bei der Filmfans Kleininvestoren werden und so direkt am Film beteiligt sind, quasi von Anfang an automatisiert am Erlebnis teilhaben. Das Prinzip funktioniert über Blockchain-Technologie, wie bei Kryptowährungen. Man musste nur noch die passende Software und eine Website bauen. Dieser Ansatz hat 538 Filmfans auf der ganzen Welt überzeugt und das Budget konnte um 2 Millionen Schweizer Franken erhöht werden.

Die Community, die um den Film gebaut wurde, brachte einen weiteren Vorteil mit sich: Schwarmintelligenz. «Die Suche nach Drehorten fand teilweise über klassische Location Scouts statt. Aber auch über die Community, welche viele Inputs geben konnte. Fragte man beispielsweise nach einer Kapelle, tauchten schnell 50 Vorschläge auf. Bei Kostümen war das sehr hilfreich und lässig, etwa bei einem speziellen Mantel, den wir so gefunden haben», so Greutert. Dieser Ansatz bei der Finanzierung könnte in der globalen Filmbranche ein Versprechen an die Zukunft sein, Innovation und Pioniergeist aus der Schweiz quasi.

Am 24. November kommt der Film für zwei Wochen in die Kinos. Ein Kinostart war erst nicht geplant, «Mad Heidi» sollte rein über Streaming verfügbar sein.
«Aber die Nachfrage war so gross, dass wir uns für diesem Schritt entschieden», erklärt Greutert. Ab dem 8. Dezember ist der Film für zwei Monate exklusiv auf www.madheidi.com als kostenpflichtiger Stream zu sehen. Erst danach wird «Mad Heidi» an anderen Stellen verfügbar sein.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Online-Kultur-Magazin Bäckstage.ch

Patrick Holenstein